photographs taken by Stefanie Rumpler and Maarja Nurk

 

 

Aus der Ankündigung:

 

Ende Mai gibts Formatsprengendes: Wir freuen uns auf eine

Steppdecke in Kachelofenanmutung, gesteppte

Teppichmalerei, fliegende Teppichmalerei,

herumliegende gesteppte Matratzenmalerei

und Lucky Luke ohne Lucky Luke.

 

Irgendwas fehlt immer. Zum Beispiel bereits auf Line

Wasners Einladungskarte. Auf deren Vorderseite irritiert

ein 4teiliges Bild- Panel durch die Abwesenheit von allem

Wesentlichen und auch der Ausstellungstitel erscheint

verkürzt und eigenartig unfertig.

Er bezieht sich auf eine Serie, in der die Künstlerin Teile

des Lucky Luke Bands Nr. 33 malerisch- und vergrössert

nachempfunden hat, wobei sie sich sämtliche künstlerische

Freiheit nahm und alle im Bildband überflüssigerweise

herumstehenden Leute einfach wegließ.

Herausgekommen sind abstrahierte Comicblätter, die

wie leergefegt erscheinen und in denen scheinbar

nebensächliche Elemente wie Hintergrund, Kulisse und

Ausstattung die Hauptrolle spielen. Man ist erstaunt,

was alles nicht zu sehen ist. Wer der schwerelosen

Schönheit der handlungsbefreiten (Landschafts-) Bildtafeln

nicht folgen kann ist eingeladen, das fehlende Personal aus

eigener Erinnerung hinzuzufügen.

 

Diesem Manifest der Freude am Ausräumen und Weglassen

stellt Line Wasner in ihrer Ausstellung im Kulturpalast

Wedding eine fast gegenteilige malerische Position gegenüber.

Sie ist so herkömmlich wie raumgreifend: Malerei auf

Leinwand – aber skulptural und

ausufernd. Die Künstlerin befreit die Malerei von jedem

Rahmen und entlässt sie in den Raum. Sie erscheint in Form

von ausfransenden, ornamentalen Wandteppichen

oder liegt als zusammengerollte, fleckig bemalte Matratze auf

dem Dielenboden herum.

Line Wasner verstärkt die Eigenschaften des

faltenwerfenden, bemalten Leinwandstoffs, indem sie ihn

staucht, wölbt und neu vernäht.

Die vorher aufgemalten Ornamente, Motive und

Farbkompositionen werden gleich mitgestaucht,

verzerrt und neu sortiert als rätselhafte Bildzeichen in

unseren Ausstellungsraum entlassen.

Aus Ornament wird Fragment und aus Farbe wird Form.

Und aus dem hitzigsten Lucky Luke-High-Noon-Shooting

entwickelt sich schönste, scheinbar absichtslose

Landschaftsmalerei. Alles verändert sich und alles

Abwesende ist anwesend.

Oder einfach neu erinnert.

 

Am Samstag des zweiten Ausstellungswochenendes

spielen die schon vorab gefeierten Berliner

Newcomer Die Pferde + Tom Horn ihr allererstes Konzert.

Wenn die nicht nach Lucky Luke klingen. Wir bitten um

persönliches Erscheinen.

 

Text von Henrik Jacob

 

Ausgestellte Arbeiten:

 

Der einarmige Band

offene Serie

Öl auf Papier,

je ca. 40 x 60 cm

2024/25

 

o.T. (Deckenbild)

200 x 300 cm

Dupont und Ölfarbe

auf Papier,

plakatiert

 

Ofendecke

Öl und Acryl auf

Leinwand, vernäht und

ausgestopft

200 x 90 cm, 2019

 

Fluffy Sheet,

Matratzenbezug mit Matratze,

Mischtechnik auf Nesselstoff,

vernäht

140 x 200 cm,

2022

 

Weiche Kopie

Nachbau eines

doppelten Berliner

Küchenfensterrahmens

von 1957

Schaumstoff, bemalte

Nesselstoffreste, vernäht

2024

 

o.T. , freie Umsetzung eines

Kartuschenteppichs aus dem

16. Jhdt. von dem nur noch

zwei Fragmente erhalten sind.

Rekonstruktionszeichnung

des Musterrapports

von C. Klose

Dupont und Öl auf ehemaligem

Matratzenbezug,

200 x 140 cm, 2023

 

Bericht aus der Umgebung

Öl auf Holz

32 x 65 cm

2025

 

o.T. (gemalter Teppich)

lose Kopie eines spanischen

Teppichs mit Sternen und

Achtecken aus dem 15.Jhdt

Pigemente auf Leinwand,

vernäht, 2020


o.T. (gefalteter Teppich)

Acryl und Öl auf Leinwand,

vernäht und ausgestopft,

ca. 60 x 40 x 40 cm

2020

 

Home Office

Öl auf Leinwand,

200 x 200 cm

2022

 

Bessere Zeiten

Öl auf Holz

90 x 30 cm

2023

 

Decke im Spiegel

Öl auf Leinwand,

40 x 45 cm

2021

 

Ächz

Öl auf Leinwand,

33 x 33 cm

2014

 

Kim Jong - Un looking

at a photograph

Mischtechnik auf Baumwolle,

vernäht und ausgestopft,

42 x 15 x 15 cm

2009

 

 

 

Line Wasner

30.5. - 8.6.2025

Der einarmige Band

Kulturpalast Wedding

Berlin